Shopify
Bei Kluge Studio nicht als Baukasten, sondern als Kasse hinter einem selbst gebauten Frontend. Die Ladenfläche ist eine eigene Nuxt-4-Seite auf Cloudflare, Shopify übernimmt Katalog, Warenkorb, Zahlungen, Steuern und Versand. Der Kunde bekommt ein Aussehen, das ihm gehört, und eine Kaufmannsseite, die er nicht selbst warten muss.
⏱️ Alle Zahlen unten sind vom 26.07.2026 und stammen aus der Shopify-Hilfe und der Preisseite. Preise und Tarifregeln ändern sich. Vor jeder Zusage an einen Kunden neu nachlesen, nicht aus dieser Note abschreiben.
Was Shopify übernimmt, was nicht
| Übernimmt Shopify | Bleibt offen |
|---|---|
| Steuersätze je Land, Versandzonen, Zahlungen | Rechnungen (siehe unten) |
| Bestand, Varianten, Bestellverwaltung | Warenwirtschaft, Lager über mehrere Kanäle |
| Rechtssicherer Checkout | Rechtstexte der Seite (kommen vom Frontend) |
Der Denkfehler beim ersten Angebot war, „Shop" als eine Sache zu behandeln. Es sind zwei: Ladenfläche und Kasse. Wer das dem Kunden nicht in zwei Sätzen erklärt, bekommt jede Folgefrage doppelt.
Versand nach Ländern
Funktioniert vollständig. Versandzonen gruppieren Länder, pro Zone gibt es Preise als Pauschale, nach Gewicht oder nach Bestellwert (damit auch „ab 80 € versandkostenfrei"). Zusätzlich lassen sich berechnete Preise von Carriern einbinden.
Eine Regel, die man kennen muss: Ein Land kann nur in einer Zone liegen. Soll ein Land eigene Preise haben, bekommt es eine eigene Zone, es lässt sich nicht innerhalb einer bestehenden übersteuern.
Rechnungen: die Lücke, die keiner erwartet
Shopify verschickt von sich aus nur eine Bestellbestätigung, keine Rechnung. Das überrascht Kunden regelmäßig, besonders solche, die von einem deutschen System mit angeschlossener Warenwirtschaft kommen (JTL, Shopware), wo die Rechnung selbstverständlich mitläuft.
Gelöst wird das über eine Buchhaltungs-Anbindung, im deutschen Umfeld meist Lexware Office (früher lexoffice) oder sevdesk: Bestellung landet dort, Rechnung wird erzeugt und verschickt, Zahlung wird zugeordnet. Kostet wenige Euro im Monat.
Das ist der Punkt, den man vor der Zusage selbst durchspielt. Dass es die Anbindung gibt, ist belegt; dass sie im konkreten Fall rund läuft, ist eine Behauptung des Anbieters, bis man sie gesehen hat.
Steuer: zwei Fallen
1. Die Automatik verschiebt den Endpreis
Viele kleine Händler kalkulieren mit einem Bruttopreis für alle Länder. Der Kunde zahlt überall dasselbe, der Steueranteil darin schwankt, und bei Ländern ohne deutsche Umsatzsteuer bleibt mehr übrig. Das ist eine bewusste Geschäftsentscheidung, keine Schlamperei.
Shopify hat eine Funktion namens dynamic tax-inclusive pricing, die genau das kaputt macht. Sie hält den Nettopreis konstant und lässt den sichtbaren Endpreis wandern. Shopifys eigenes Beispiel: ein Artikel für 100 kostet im Heimatland 100, in Kalifornien 90,91 und in Großbritannien 109,09.
Wer das Bruttopreis-Modell erhalten will, lässt die Funktion aus. Sie sitzt unter Markets → Steuern → Anzeigeart → Dynamic tax display und ist nicht der Ausgangszustand. Man muss sie also nicht abschalten, sondern nur in Ruhe lassen.
2. OSS setzt Shopify Tax voraus
Beim Überschreiten der 10.000-Euro-Schwelle für grenzüberschreitende B2C-Verkäufe in andere EU-Länder wird der Satz des Kundenlandes fällig. Die gute Nachricht für den Kunden: keine Registrierung in jedem Land, sondern One Stop Shop, eine Anmeldung und eine Meldung pro Quartal für alle Länder zusammen.
Die versteckte Bedingung: OSS lässt sich in Shopify nur nutzen, wenn der Shop Shopify Tax oder Basic Tax als Steuerdienst verwendet. Und Basic Tax ist für Shops, die ab dem 13.05.2026 erstellt wurden, nicht mehr verfügbar. Für jeden neuen Kundenshop heißt das: Shopify Tax, sonst kein OSS.
Kosten (Stand 26.07.2026)
| Posten | Betrag |
|---|---|
| Shopify Basic | 36 €/Monat, bei Jahreszahlung 25 €/Monat |
| Kartenzahlung über Shopify Payments (Basic) | 2,1 % + 0,30 € |
| Amex und außereuropäische Karten (Basic) | 3,2 % + 0,30 € |
| Externe Zahlungsanbieter (Basic) | 2 % |
| Shopify Tax | kostenlos bis 100.000 € Gesamtverkäufe, danach 0,25 % je besteuerter Bestellung, höchstens 0,99 € |
Zwei Feinheiten, die in Kostenaufstellungen gern fehlen:
- Der Schwellenwert für Shopify Tax ist bei Shops ab dem 13.05.2026 lebenslang, nicht pro Jahr. Bei älteren Shops gilt er jährlich.
- Die Drittanbietergebühr rechnet auf den ganzen Auftrag:
[(Warenwert − Rabatte) + Steuer + Versand] × Satz, also inklusive Porto.
Shopify Tax steht nicht auf der Preisseite. Wer einem Kunden „alle laufenden Kosten" zusagt und nur shopify.com/de/preise abschreibt, hat eine Position vergessen, die mit seinem Umsatz wächst.
Die PayPal-Ausnahme
Weit verbreitetes Halbwissen: „Wer nicht Shopify Payments nutzt, zahlt 2 Prozent extra, also auch bei PayPal." Das stimmt so nicht. Die Shopify-Hilfe listet ausdrücklich, wofür bei aktivem Shopify Payments keine externen Transaktionsgebühren anfallen:
Shopify Payments · Shop Pay · Shop Pay-Ratenzahlung · PayPal Express Checkout · manuelle Zahlungen wie Barzahlung, Nachnahme und Überweisung
Die 2 Prozent greifen also nur, wenn PayPal ohne Shopify Payments läuft. Für den Kunden heißt das: PayPal darf bleiben, es kostet nur das, was PayPal selbst nimmt. Wichtig ist die Bedingung im Satz. „PayPal kostet nichts extra" allein wäre falsch.
Wo die Beratung aufhört
Beim Verkauf ins Ausland tauchen sofort Fragen auf, die keine Shop-Fragen mehr sind. Zwei, über die man beim Nachlesen stolpert und die regelmäßig übersehen werden:
- Großbritannien: Seit dem Brexit muss sich der Verkäufer bei Sendungen bis 135 Pfund an Privatkunden dort registrieren und die britische Steuer schon an der Kasse berechnen.
- Schweiz: Ausländische Händler gelten ab 100.000 Franken Kleinsendungen im Jahr als Inlandslieferanten.
Ob das im Einzelfall greift, ist Sache des Steuerberaters, und in Deutschland ist Steuerberatung auch berufsrechtlich geschützt. Shopify schreibt es in der eigenen Hilfe selbst dazu: die Verantwortung liegt beim Händler.
Die Formulierung, die sich bewährt hat, weil sie den Ball weitergibt statt sich zu verstecken:
Ich kann dir sagen, was der Shop rechnen kann, nicht was für dich richtig ist. Sag mir, was dein Steuerberater vorgibt, dann stelle ich es genau so ein.
Das ist keine Ausrede, sondern ein Angebot. Und es schützt beide Seiten: Schweigt man zu einer steuerlichen Annahme, die der Kunde in seiner Mail nebenbei äußert, liest er das Schweigen als Zustimmung.
Quellen lesen, nicht Zusammenfassungen
Beim ersten Durchgang standen zwei Aussagen in der Kundenantwort, die falsch waren. Beide stammten aus Zusammenfassungen von Suchergebnissen, beide wurden beim direkten Lesen der Herstellerseite widerlegt: die PayPal-Gebühr und die Wirkungsrichtung der Steuer-Automatik. In einem Fall widersprach sich die Zusammenfassung sogar selbst, die Überschrift sagte das Gegenteil des Zitats darunter.
Daraus die Regel für alles, was einem Kunden gegenüber zugesagt wird:
- Preise, Gebühren und Bedingungen nur aus der Herstellerdoku, wörtlich gelesen, nicht aus Blogs, Foren oder Zusammenfassungen.
- Deutsche und englische Fassung vergleichen, wenn es um Geld geht.
- Zahl aufschreiben mit Datum. „Stand heute laut <Adresse>" in die Mail, dann prüft der Kunde selbst und man ist nicht die Quelle, wenn der Anbieter anhebt.
Der Aufwand dafür sind Minuten. Eine falsche Gebührenaussage im ersten Kundenkontakt kostet mehr.
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